Das internationale Cello-Festival zum Gedenken an Mstislaw Rostropowitsch in Moskau

Beinahe ein Jahr nach dem Tod von Mstislaw Rostropowitsch († 27. April 2007) organisierte die Moskauer Philharmonie ein internationales Cello-Festival und erinnerte damit an diesen großartigen russischen Cellisten. Führende Cellospieler - darunter auch einige ehemalige Schüler Rostropowitschs - nahmen die Einladung zur Mitwirkung bei diesem Ereignis an.

Rodion Shchedrin und Mstislaw Rostropowitsch verbanden lange Jahre herzlicher Freundschaft und intensiver Zusammenarbeit. Über seinen Freund sagte Shchedrin einmal in einem Interview: "Slawa (d. i. Kosename von Rostropowitsch) ist für mich ein heiliger Name". Anerkennend äußerte sich Rostropowitsch seinerseits zu Shchedrin als Freund und Kollegen: "Ich bin glücklich, deine Werke zu spielen. Dein Schaffen ist eines der Zweige des mächtigen Baumes der musikalischen Kunst Russlands… Du wunderbarer, treuer Freund!" (aus dem Vorwort Rostropowitschs zur deutschen Ausgabe des Buches von Walentina Cholopowa über Rodion Shchedrin "Der Weg im Zentrum", Schott Musik International, Mainz 2002). Die gegenseitige Wertschätzung dieser beiden Künstler findet darin ihren besonderen Ausdruck, dass Shchedrin Rostropowitsch einige Werke (Sotto voce, Parabola concertante, Sonate für Violoncello und Klavier) widmete, die dieser zur Uraufführung brachte und zudem in sein ständiges Repertoire aufnahm. Nicht nur als Instrumentalist, sondern daneben auch als Dirigent, machte sich Rostropowitsch um das Werk seines Freundes verdient. Er dirigierte die Uraufführungen der Oper "Lolita" sowie der "Stichira zur Tausendjahrfeier der Christianisierung Russlands".

Drei mit dem Namen des großen Cello-Meisters eng in Verbindung stehende Kompositionen Shchedrins standen auf dem Programm des Abschlusskonzerts, dass am 28. Dezember im Großen Saal des Moskauer Konservatoriums stattfand.

"Na pososchok/Ein Prosit zum Abschied" (Uraufführung am 5. Oktober 2007 im hessischen Kronberg) für sechs Violoncelli und Altblockflöte komponierte Shchedrin innerhalb weniger Tage nach dem Tode Rostropowitschs. Nach Shchedrin soll der Dialog zwischen den Celli und der Flöte auf die Ewigkeit hinweisen, in die sein verstorbener Freund aufgenommen wurde.

Das Orchesterwerk "Slawa, Slawa" - einst zum 70. Geburtstags Rostropowitschs geschrieben - wurde an diesem Abend von Denis Kirpanjow dirigiert. Bei der Uraufführung in Paris im Jahr 1997 durch Seiji Ozawa fingen im Schlussteil zur großen Überraschung Rostropowitschs die Orchestermusiker neben der instrumentalen Begleitung auch zu singen an.

Mit der dritten Komposition Shchedrins an diesem Abend, der "Hamlet-Ballade" gespielt von rund 70 Cellisten, wurde der emotionale Höhepunkt des Festivals erreicht. Das Werk, von Shchedrin ursprünglich für 1.000 Cellos als Auftragswerk für Japan im Jahr 2004 komponiert, dirigierte der Rostropowitsch Schüler David Geringas. In einem anschließenden Interview erinnerte Geringas an die Uraufführung des Werkes anlässlich des internationalen Cello-Kongresses in Japan, bei der er als Instrumentalist mitwirkte. An jenem Abend traten 1066 Cellospieler an, um unter der Leitung von Mstislaw Rostropowitsch zu musizieren. Als dem Maestro später die genaue Zahl der Mitwirkenden genannt wurde, korrigierte er humorvoll: "Nein, nein. Es waren insgesamt 1067 Spieler! Ich bin doch auch ein Cellist, selbst wenn ich an dem Abend am Dirigierpult stand". 
Die "Hamlet-Ballade" sollte das letzte Werk von Rodion Shchedrin bleiben, das von Mstislaw Rostropowitsch uraufgeführt wurde.