Konzertante Aufführung von Rodion Shchedrins Oper „Die toten Seelen“

Vom 1. bis 19. April 2009 veranstaltete das Sankt Petersburger Mariinski Theater ein Musikfestival zum 200. Geburtstag von Nikolai Gogol. Die Werke, die aus der Feder dieses großen russischen Schriftstellers entstanden sind, bildeten bereits für viele namhafte Komponisten eine reichhaltige Inspirationsquelle und fanden hierdurch Eingang in die Welt der Oper. Zu den bekannten Werken zählen u.a. „Die Mainacht“ und „Die Weihnacht“ von Rimski-Korsakow, „Der Jahrmarkt von Sorotschinsk“ und „Die Heirat“ von Mussorgski oder „Die Nase“ von Schostakowitsch.

Das Schaffen Gogols zog auch Rodion Shchedrin immer wieder in seinen Bann. Vor allem das Poem „Die toten Seelen“ ist eines der Lieblingsbücher des Komponisten, und zwar aufgrund der ungebrochenen Aktualität wie es Shchedrin jedes Mal aufs Neue bewundernd feststellt. „Für einen Russen ist das Poem ‚Die toten Seelen’ wie eine Bibel. Wenn russischen Charakterzüge in der Wirklichkeit überhaupt existieren - und ich bin fest davon überzeugt, dass es sie gibt, nämlich die russische Mentalität, die russische Duldsamkeit, die das Volk bereits seit Jahrhunderten gegenüber seinen Herrschenden aufweist - so beantworten Gogol und Leskow am genauesten die Fragen, die sich Russen seit Generationen unaufhörlich stellen. Das sind die Fragen über die eigene Prädestination, über die Zukunft Russlands … Die Werke von Gogol und Leskow sind durch eine umfangreiche Kenntnis der russischen Nation und durch ein beinahe enzyklopädisches Interesse an den Eigenschaften der russischen Seele gekennzeichnet“. (Rodion Shchedrin)

Etwa zehn Jahre reifte in Shchedrin der Gedanke, über dieses Poem eine Oper (einschließlich das dazugehörige Libretto) zu schreiben. Wie ein Traum, wurde es schließlich für ihn Wirklichkeit, als am 7. Juni 1977 seine Oper „Die toten Seelen“ am Moskauer Bolschoi Theater mit großem Erfolg uraufgeführt wurde. Sie ist ein wichtiger Meilenstein nicht nur im Schaffen Shchedrins, sondern auch in der Geschichte des Bolschoi Theaters mit der berühmt gewordenen Inszenierung durch Boris Pokrowski. Die Premiere und die weiteren Aufführungen dirigierte Juri Temirkanow. Ein Jahr danach brachte Temirkanow die Oper „Die toten Seelen“ auch nach Leningrad (heute Sankt Petersburg). Zu dieser Zeit assistierte ihm am Dirigentenpult des Kirow-Theaters (heute Mariinski Theater) der junge Waleri Gergiew. Die Partie Tschitschikows übernahm Sergei Leiferkus.

Nach etwas mehr als 30 Jahren wurde am 12. April 2009 die Oper durch Waleri Gergiew am Mariinski Theater konzertant wieder aufgeführt. Den Tschitschikow gab erneut Sergei Leiferkus. „Ich hoffe sehr, dass dieses Opernprojekt des Mariinski Theaters dieses wunderbare und groß angelegte Gemälde Shchedrins nicht nur wiederbelebt, sondern ein steigendes Interesse bei allen hervorruft, die russische Opern lieben. Ich bin der Überzeugung, dass sie ein fulminantes Werk der russischen Opernliteratur darstellt“. (aus einem Interview Waleri Gergiews für das Radio „Kultur“)